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Flat-Tax, die Einheitssteuer

Oft in der Diskussion, heute so aktuell wie nie: Die Einheitssteuer, oder auch Flat Tax. Ein paar Einzelheiten zu dieser Idee.

In allen europäischen Ländern wurde in den letzten 60 Jahren viel an den Steuergesetzen geändert, allen voran Deutschland. Es wurden Ausnahmen geschaffen oder Ausnahmen von Ausnahmen oder Freibeträge eingeführt, die aber nur unter bestimmten Bedingungen gelten und vieles mehr. Steuerberater in Deutschland ist ein bislang krisensicherer Job.

Die Flat-Tax wurde in einigen europäischen Ländern bereits eingeführt und ist nun auch in Deutschland wieder aktuell. Bei einer Flat-Tax gibt es nur einen Steuersatz und dazu möglichst wenig Ausnahmen. Vom Steuerexperten Paul Kirchhoff wurde für Deutschland ein einheitlicher Steuersatz von 25% vorgeschlagen. Dann würden sowohl arme, als auch reiche Bürger den gleichen Steuersatz haben, gleiches gilt für Unternehmen und alle sonstigen Einnahmen (Landwirtschaft, Vermietung, Kapitalerträge). Welche Folgen hätte dies?
  • Vielverdiener zahlen derzeit den Spitzensteuersatz von 45% zzgl. Solidaritätszuschlag. Allerdings ist dieser Steuersatz erst ab 250.000 EUR erreicht und dann können noch unzählige Ausgaben abgesetzt werden, bzw. niedriger versteuert werden. Der hohe Steuersatz ist der Grund, wieso viele Vielverdiener ihren Hauptwohnsitz ins Ausland verlegt haben. Durch einen niedrigeren Steuersatz könnte man hier vielleicht den einen oder anderen Steuerzahler wieder zurück gewinnen und somit letztendlich mehr Einnahmen haben als vorher. Darüber hinaus bleibt diesen Vielverdienern letztlich mehr Nettolohn übrig, den sie für Konsum ausgeben können. Dies würde die Binnenkonjunktur anregen und langfristig Arbeitsplätze sichern.
  • Die Mittelschicht kann größtenteils von einem Einheitssteuersatz profitieren. Insbesondere Menschen, die bisher nicht viel absetzen können (Singles, Kinderlose...), profitieren von der Flat-Tax. Familien wären Verlierer dieser Regelung, allerdings könnte man durch deutlich höhere Kindergeld-Sätze dies wieder ausgleichen.
  • Geringverdiener zahlen derzeit teilweise gar keine Steuern. Sie müssten sich bei einer Flat-Tax am Steueraufkommen beteiligen. Um sie zu schützen, könnte man einen pauschalen Freibetrag einführen.

Das Steuerkonzept der FDP

Das Konzept sieht einen Drei-Stufen-Tarif von 10 Prozent, 25 Prozent und 35 Prozent vor. Der Eingangssteuersatz soll für Einkommen bis 20 000 Euro gelten, zwischen 20 000 und 50 000 Euro beträgt der Steuersatz dann 25 Prozent und ab 50 000 Euro 35 Prozent. Zudem soll jeder Bürger, auch Kinder, einen Grundfreibetrag von 8000 Euro erhalten. Die steuerliche Entlastung liegt damit nach Berechnungen der FDP bei gut 32 Milliarden Euro.

Kommentar:

Einfach und trotzdem gerecht, so sieht das Steuerkonzept der FDP aus. Wer einmal gegenrechnet, erkennt schnell die Vorteile dieses Systems. Generell wären vielleicht höhere Freibeträge noch sinnvoll gewesen, bzw. anders gesetzte Grenzen. Es würde sich anbieten, den bisherigen Midi-Job (800 EUR im Monat=9.600 EUR) als Steuerfreibetrag zu nehmen. Personen, die darunter verdienen wären somit defintiv steuerfrei. Dies würde dann auch viele Alleinverdiener mit Kind und Auszubildende von der Steuerpflicht befreien. Die zweite Grenze wäre bei der Bezugsgröße der Sozialversicherung anzusiedeln, diese beträgt derzeit 30.240 EUR. Bis zu dieser Grenze wäre ein Steuersatz von nur 10% angemessen. Die nächsthöhere Grenze wäre anzusiedeln bei der Versicherungspflichtgrenze, die beträgt derzeit 48.150 EUR. Wer mehr verdient, erhält den Vorteil der Befreiung von der Krankenversicherungspflicht, müsste dann aber den Spitzensteuersatz von 35% zahlen. Deshalb mein Vorschlag:
  • 9.600 EUR (800 EUR monatlich) Freibetrag pro Person, auch für Kinder
  • Das Durchschnittseinkommen in Deutschland (Bezugsgröße) ist die erste Grenze. Wer in 2009 weniger als 30.240 EUR verdient hat, zahlt nur 10% Einkommenssteuer.
    Hier gilt anzumerken, dass nur noch eine Bezugsgrenze für Ost und West zu bilden ist.
  • Wer über dem Durchschnittseinkommen verdient, zahlt 25% Steuersatz
  • Wer mehr verdient als die Versicherungspflichtgrenze (derzeit 48.150 EUR), muss sich nicht mehr privat krankenversichern, zahlt aber den höchsten Steuersatz von 35%. Man könnte die Versicherungspflichtgrenze bei der doppelten Bezugsgröße ansiedeln, dann wäre diese Grenze bei etwa 60.000 EUR.

Beispiele

1. Mutter, alleinverdienend 1.500 EUR brutto, 1 Kind
Nach FDP-Vorschlag werden von den 18.000 EUR zweimal 8.000 abgezogen, bleiben 2.000 EUR zu versteuern. Bei 10% Steuersatz wären das 200 EUR jährlich, also etwa 1,1%.

2. Familie, Vater verdient 2.500 brutto, Mutter ist Hausfrau, 2 Kinder
Nach FDP-Vorschlag werden von den 30.000 EUR viermal 8.000 EUR abgezogen, es müssten also keine Steuern gezahlt werden.

3. Familie, Vater verdient 4.000 brutto, Mutter ist Hausfrau, 2 Kinder
Nach FDP-Vorschlag werden von den 48.000 EUR viermal 8.000 EUR abgezogen, es müssten also nur 16.000 EUR mit 25% versteuert werden. Die 4.000 EUR Steuerpflicht bedeuten eine Belastung von 8%.

4. Single, keine Kinder, 6.000 brutto, 14 Monatsgehälter
Nach FDP-Vorschlag werden von den 84.000 Bruttoeinkommen 8.000 abgezogen. Die restlichen 76.000 müssten mit dem Höchstsatz von 35% versteuert werden, es wären also 26.600 EUR Steuern zu zahlen. Dies entspricht einer monatlichen Belastung von 31,6%. Es darf hierbei nichts von der Steuer abgesetzt werden.

Andere Bereiche

Diese Steuersätze könnten auch auch andere Bereiche übertragen werden. Es wäre denkbar, einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 10% und einen normalen Mehrwertsteuersatz von 25% einzuführen. Dadurch würde sich das Steueraufkommen aus der Mehrwertsteuer erhöhen. Allerdings belastet diese Mehrwertsteuer einige Bürger mehr als andere, insbesondere wer im Vergleich zu seinem Einkommen viel konsumiert (Geringverdiener) wäre stärker belastet. Wählt man allerdings andere Steuersätze, (z.B. 5% und 20%), könnte man Bürger, die auf Grundnahrungsmittel angewiesen sind, entlasten.

Für Unternehmen könnte man ebenfalls zwei Steuersätze einführen, die bei 10% und 25% liegen. Der niedrigere Steuersatz sollte dann allerdings die Ausnahme sein und nur für kleine Unternehmen gelten, die allerdings eine gewisse Umsatzhöhe nicht überschreiten dürfen und noch weitere Kriterien enthalten muss (z.B. Neugründungen, Angebot von Ausbildungsplätzen...)

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