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Überhangmandate

Da Überhangmandate das Zünglein an der Waage sein könnten, hier eine kurze Erklärung, wann und wieso es diese gibt.

Deutschland ist eine Bundesrepublik, also ein föderaler Staat, der sich aus 16 Bundesländern zusammen setzt. Jedes dieser Bundesländer ist mit seinem Ministerpräsidenten im Bundesrat vertreten. Allerdings sieht das Wahlgesetz auch vor, dass die Bundesländer auch im deutschen Bundestag vertreten sein sollen. Dies wird mit dem Zwei-Stimmen-Verfahren erreicht.

Die eine Hälfte der Sitze wird über die Erststimme besetzt. Dabei kann jeder der 299 Wahlkreise einen Kandidaten nach Berlin schicken. Hier reicht eine einfache Mehrheit in jedem Wahlkreis. Dadurch wird sichergestellt, dass jedes Bundesland entsprechend im Bundestag vertreten ist.

Die Zweitstimme gibt zusätzlich die generelle Verteilung der Sitze im Bundestag an. Dabei wird die Verteilung der Sitze anhand einer Listenwahl vorgenommen. Also stellt jede Partei eine Landesliste auf und besetzt die ihr zustehenden Plätze anhand dieser Liste.
ABER: Diese erzielten Sitze im Bundestag sind zuerst mit den Direktkandidaten zu besetzen und danach erst mit Mitgliedern der Landesliste aufzufüllen. Ein Überhangmandat entsteht, wenn eine Partei mehr Direktmandate erzielt, als ihr laut Zweitstimmen zustehen würde. Die Anzahl der Sitze im Bundestag wird dann über die ursprüngliche Zahl von 598 Mitgliedern erweitert.

Einfacher zu verstehen wird dies anhand eines Beispiels. Gehen wir davon aus, dass es 5 Parteien und 100 Bundestagsmitglieder gibt, davon werden 50 über die Erststimme gewählt (direkt). Anhand der Zweitstimmen gibt es folgendes Ergebnis, wie der Bundestag zu besetzen wäre:
  • Partei A: 35 Sitze
  • Partei B: 25 Sitze
  • Partei C: 15 Sitze
  • Partei D: 15 Sitze
  • Partei E: 10 Sitze
Folgende Ergebnisse werden über die Erststimmen erzielt (Anmerkung: 50 Sitze werden verteilt)
  • Partei A: 45 Sitze
  • Partei B: 4 Sitze
  • Partei C: 1 Sitze
  • Partei D: 0 Sitze
  • Partei E: 0 Sitze
Dann würde sich der Bundestag wie folgt zusammensetzen:
  • Partei A: 45 Sitze - Alle über Direktmandate
  • Partei B: 25 Sitze - 4 Sitze über Direktmandate und 21 über die Zweitstimme
  • Partei C: 15 Sitze - 1 Sitz über Direktmandat und 14 über die Zweitstimme
  • Partei D: 15 Sitze - Kein Direktmandat, deshalb 15 Mitglieder über die Zweitstimme
  • Partei E: 10 Sitze - Kein Direktmandat, deshalb 10 Mitglieder über die Zweitstimme
Der Bundestag hätte also insgesamt 110 Mitglieder, da Partei A 10 Überhangmandate hat. Obwohl sie nur 35% der Zweitstimmen hat, stellt Partei A also 41% der Bundestagsmitglieder. Partei B erzielt 25% der Zweitstimmen, aber nur 23% der Bundestagsmitglieder. Partei C stellt 13%, Partei D 13% und Partei E 9% der Mitglieder.

Obwohl Partei A und D zusammen nur 50% der Zweitstimmen erzielt hatten, erreichen Sie insgesamt 54% der Bundestagsmitglieder und könnten aufgrund der Überhangmandate miteinander regieren.

PS: Die Beispiele sind stark vereinfacht, die Ergebnisse gerundet.

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Kommentare zum Thema

1. Oliver
Dazu müsste man ergänzen, dass die Zweitstimmen jeweils auf die einzelnen Länder und entsprechend auf die Landeslisten verteilt werden.
(Geschrieben: 2009-10-02 12:07:22)
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