News

Die Kopfprämie - Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung?

Eine Rechenspielerei, wie die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung aussehen könnte.

Dabei wird eine teilweise Kopfprämie mit einem fixen Arbeitgeberbeitrag kombiniert.
Die Berechnung erfolgt auf folgenden Zahlen (Basierend auf 2010):
  • Bedarf der Krankenkassen: 175 Mrd EUR
  • Beitragssatz: 14,9% -> 153 Mrd EUR
  • Fehlbeträge (18 Mrd) werden vom Bund und durch Zusatzbeiträge ausgeglichen
  • Zugrunde gelegtes Einkommen: 1,03 Brd EUR
Sollten die Krankenkassen und Ärzte weiterhin eine gleichbleibende Qualität bieten wollen und gleichzeitig der Beitragssatz stabil bleiben, wird die Finanzierungslücke bestehen bleiben und evtl. sogar weiter ansteigen. Fakt ist so oder so: Im Endeffekt kann die Krankenversicherung nur von den Bürgern und ihren Arbeitgebern bezahlt werden, egal ob über Beiträge oder über Steuern.

Wie könnte jetzt ein System mit Kopfpauschale aussehen? Hierzu brauchen wir weitere Rechengrößen: Die Arbeitgeber finanzieren einen Prozentsatz abhängig vom Einkommen von 1,03 Brd EUR. Die 80 Mio Bundesbürger zahlen eine feste Kopfprämie.

Berechnungsergebnis

ArbeitgeberArbeitnehmer
1 Prozent171,60 EUR
2 Prozent160,90 EUR
3 Prozent150,20 EUR
4 Prozent139,51 EUR
5 Prozent128,81 EUR
6 Prozent118,11 EUR
7 Prozent107,42 EUR
8 Prozent96,72 EUR
9 Prozent86,02 EUR
10 Prozent75,33 EUR
11 Prozent64,63 EUR
12 Prozent53,94 EUR
13 Prozent43,24 EUR
14 Prozent32,54 EUR
15 Prozent21,85 EUR
16 Prozent11,15 EUR
17 Prozent0,45 EUR
Wie liest sich diese Tabelle:
Am Beispiel von 7% - 107,42 EUR wird erläutert, was also insgesamt eingezahlt wird: Es werden von allen Arbeitgebern in Deutschland 7% des Lohns (Insgesamt ja 1,03 Brd EUR) gezahlt, das führt zu Einnahmen in Höhe von 71,9 Mrd EUR. Dazu kommen von den 80 Millionen Bundesbürgern jeweils 107,42 EUR monatlich, was zu 103,1 Mrd EUR führt. Insgesamt werden dem Gesundheitsfonds also 175 Mrd EUR zugeführt - er arbeitet dadurch also absolut kostendeckend.

Wo bleibt der Sozialausgleich? Einen sozialen Ausgleich kann man schaffen, indem man den Arbeitgeber-Anteil höher wählt (z.B. 10%). Dadurch wird die Belastung für die einzelnen Bürger deutlich geringer. Allerdings führt dies zu höheren Lohnnebenkosten, was Arbeitsplätze kosten könnte. Die Beiträge für Kinder/Jugendliche könnte man über ein höheres Kindergeld sozial ausgleichen oder über BaföG finanzieren und bei Empfängern von Sozialleistungen (Hartz IV) müsste die Agentur für Arbeit einspringen. Allerdings gibt es trotzdem viele Bürger, für die eine Kopfpauschale von rund 100 EUR monatlich schwer zu finanzieren ist. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass man natürlich auch mehr Nettolohn zur Verfügung hat: Ein Arbeitnehmer, der 3.000 EUR Brutto im Monat verdient, hat vorher 7,9% seines Lohns direkt an die Krankenkasse überwiesen (237 EUR ), die ihm nun zusätzlich zur Verfügung stehen. Neu hinzugekommen sind bei dieser Kopfprämie die privat Versicherten, die vorher nicht in den Gesundheitsfonds eingezahlt haben - was die private Krankenversicherung unattraktiver macht. Auch dem könnte man durch höhere Arbeitgeber-Anteile entgegen wirken.

Teil 2 der Serie: Familienversicherung: Alternative Gesundheitsprämie, Teil 3 der Serie: Ist die Kopfprämie sozial?

Veröffentlicht bei Saar-Versicherung.de im News-Archiv RSS
Gib 1+ für diesen Artikel

Kommentare zum Thema

1. Markus
Also wenn überhaupt, dann nur mit hohem Arbeitgeberanteil! Diese Beiträge kann doch kein Mensch bezahlen
(Geschrieben: 2010-01-25 09:59:31)
2. RoBi
Höhere Arbeitgeberanteile bei der priavaten KK ist ja wohl nur bei den freiwillig Versicherten möglich, was ist aber mit denen, für die der Arbeitgeber nur prozentual zahlt wg.Beihilfe, Heilfürsorge und ähnliches.Wird man diese herausnehmen?
(Geschrieben: 2010-02-05 10:38:04)
3. Wesienheimer
Bei Rössler’s Kopfprämie bleibt die PKV erhalten – d.h. die Privatversicherten (& deren Arbeitgeber!) zahlen nicht in den Gesundheitsfonds ein (ist im Beitrag falsch dargestellt!). Das PKV-System finanziert sich selbst (risikoorientiertes Kapitalstockprinzip) und ist auch weitgehend in der Finanzierungsstruktur „stabil“ & „gesund“ (z.B. Versicherte haben Rechnungskontrolle!...Subsidaritätsprinzip..). Deutliche Finanzierungsprobleme gibt es u.a. wegen dem asozialem Umlageverfahren (z.B. keine Berücksichtigung des Einzelrisikos) bei der GKV. Hier sind wegen Mißbrauch (fehlende Rechnungskontrolle!), Vergeudung (z.B. fehlender Wettbewerb), fehlender Bezug zum Risiko des Versicherungsnehmers dem System von der Tragfähigkeit erhebliche Grenzen gesetzt.
(Geschrieben: 2010-02-05 14:45:39)
4. Patrick
Dass im Rösler-Entwurf die privat Versicherten fehlen ist richtig. Allerdings gehören auch die privat Versicherten in einem "richtigen" System einer Kopfpauschale (Also einer Pauschale, die jeder Bürger zu zahlen hat) nach Auffassung des Autors dazu. Auch hier sollte ein fester Beitrag in den Gesundheitsfonds gezahlt werden.
(Geschrieben: 2010-02-06 11:35:40)
5. Weisenheimer
Bei der Bürgerversicherung (oder Volksversicherung) zahlen ALLE Bürger mit ALL ihren Einkommen (also nicht nur Einkommen ns-Arbeit, sondern auch Mieteinkommen, Einkommen aus Ersparnissen usw.!) in die Finanzierung der Gesundheitversorgung (Abschöpfung ALLER verfügbaren Einkommenquellen durch ein allgemeines Umlagesystem). Dieses „sozialistische Prinzip der Zwangsbewirtschaftung“ (enteignungsgleiche Zwangsabgabe die i.d.R. NICHT im Verhältnis zum versicherten (Gesundheits-)risiko steht!!) stellt zwar einerseits der (staatlichen) Gesundsversorgung riesige Finanzmittel zur Verfügung, setzt jedoch das Prinzip der Eigenverantwortung & Subsidarität faktisch außer Kraft („Sozialisierung ALLER individuellen Gesundheitsrisiken durch die persönliche Lebensführung usw.“) –unterliegt kaum einem innovations- und leistungsförderndem Wettbewerb von Kassen & Gesundheitsdienstleistern und führt zu einer Fehlallokation der Ressourcen zu Lasten der Volkswirtschaft („Fass ohne Boden“ durch „Staatshaftung für ungesunde Lebensführung“!). Das seit Jahrhunderten bestehende PKV-System ist durch das risikoorientierte Kapitalstockprinzip stabil & gesund durchfinanziert, ist weitgehend KUNDEN- & LEISTUNGSORIENTIERT (risiko- und gesundheitsbewußte Kunden & Patienten) – sie wahrt alle Prinzipien der wirtschaftlichen Vernuft zur Erhaltung der (Volks-)Gesundheit. Wenn dann sollte, die GKV & Bürgerversicherung (soweit möglich!) nach den risikoorientierten Prinzipien der PKV organisiert & überführt werden. Für diejenigen, deren (Gesundheits-)Risiko (mathematisch!) nicht versicherbar ist, sollte der Staat (soweit möglich & unter Auflagen!) eintreten (Steuermittel)!
(Geschrieben: 2010-02-09 16:02:15)
6. Patrick
Grundsätzlich weise Worte. Allerdings komme ich aus der PKV-Branche und würde schätzen, dass 50% der Bürger in der PKV nicht versicherbar wären, oder nicht in der Lage wären risikogerechte Beiträge zu zahlen. Einfachstes Beispiel sind Rentner (Altersrückstellungen?), chronisch Kranke und Kinder.
(Geschrieben: 2010-02-09 23:02:45)
7. Weisenheimer
Das gesamte (deutsche) GESUNDHEITSVERSORGUNGSSYSTEM sollte auf ein PKV-ähnliches (risikoorientierte kapitalstockbasierte) Versicherungssystem umgestellt werden, in dem die Versicherungsgesellschaften miteinander um ihre Kunden (Versicherungsnehmer) konkurrieren & die Versicherungsgesellschaften hinsichtlich ihrer Betriebsführung & Rechnungslegung von unabhängigen Institutionen überwacht werden (WP & ggf. besonderer Finanzaufsicht). Ggf. mit einem „Versicherungspool“ (ähnlich Protector) & einer „Staatsbürgschaft“ – ähnlich bei den Spareinlagen. Jeder Berufstätige hat hier aus seinem Erwerbseinkommen zunächst RISIKO-gerechte Beiträge zu entrichten (soweit nach allgemeiner Sicht zumutbar…z.B. max. 10%..15% seines Bruttoeinkommens; ns-Beschäftige teilen sich die Beiträge mit ihrem Arbeitgeber; Beamten erhalten eine 50%-ige Beihilfe usw.). Haben Bürger besonders hohe („nicht versicherbare!“) Gesundheitsrisiken (= i.d.R. Ausnahmen!) wären diese (nicht-versicherbaren) „Sonderrisiken“ (z.B. nach amts-ärztlicher Prüfung) von der Staatskasse zu übernehmen (entweder zahlt der Staat dann einen Zuschuß zum (PKV-)Versicherungsbeitrag oder es gibt einen besonderen „Steuerbonus“ oder/und diese wenigen Sonderfälle erhalten ein „Behandlungs-Freiticket“ bei Ärzten& Krankenhäuser (ggf. mit Auflagen „gesunder Lebensführung“ o.ä., die dann auch überprüft werden!). Gerade hier sollte auch an eine „VERWALTUNGSVEREINFACHUNG!!!“ (Einsparung Verwaltungskosten)gedacht werden (- der aktuelle GESUNDHEITSFOND scheint ja wohl eher das Gegenteil zu sein!-). Da bei den PKV ohnehin „Altersrückstellungen“ (& Zinszinseffekte usw.) geschaffen werden, wäre das „Rentnerproblem“ bei Beitragsbeginn mit dem Erwerbsalter (20-30 Jahren!) gelöst bzw. lösbar! Kinder sollten ebenso schon mit Geburt in dieses PKV-System einbezogen werden; hier könnte der Staat zur „Nachwuchsförderung“ einen Teil (z.B. mind. 50%) der Versicherungs-Beiträge übernehmen…eine Beitragsunterstützung könnte für Arbeitgeber Bestandteil ihrer HR-Policy sein… Im übrigen würde bei einer Umstellung des Gesundheitsversorgungssystem auf eine „risikoferne“ „Solidargemeinschaft“ (BÜRGERVERSICHERUNG) das bisher solide angesparte VERSICHERUNGSVERMÖGEN der PKV-Versicherten ENTEIGNET & zweckentfremdet (u.a. auch Schädigung des staatlichen Vertrauen & Vertragsschutzes…). Durch eine „risikofremde“ Solidargemeinschaft wird der „Wein – gesunden gesundheitökonomischen Verhaltens“ nicht nur VERWÄSSERT, sondern vergiftet!!
(Geschrieben: 2010-02-11 14:14:45)
8. Wolle
Hehe, "um ihre Kunden konkurrieren" - die armen Kranken...
(Geschrieben: 2010-03-25 23:36:10)
Kommentar verfassen
Name eMail (freiwillig)
Welcher Buchsta_e fehlt?
Weitere Artikel Versicherungen
Tag-Cloud
Arbeitgeber Arbeitgebern Aussehen Beiträge Beitragssatz Bürger Eingezahlt Einkommen Finanzieren Gesetzlichen Gesundheitsfonds Kopfpauschale Kopfprämie Krankenkassen Krankenversicherung Lohns Monatlich Prozent Serie Sozial Verfügung Vorher Zahlen Zukunft