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Ist die Kopfpauschale sozial?

Die Kopfpauschale ist auf jeden Fall sozialer als die einkommensabhängigen Beiträge zur Krankenversicherung. Viele Gegner versuchen diese sinnvolle Reform mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten totzureden.

Dabei ist die Kopfpauschale - korrekt angewendet - die Sozialste aller Möglichkeiten, das Gesundheitswesen zu organisieren. Das wichtigste Argument ist, dass der Sozialausgleich über das Steuersystem stattfindet. Sowohl die Firmen, als auch die Top-Verdiener (Von den Linken einfach nur die "Reichen" genannt) finanzieren mit ihren Steuerzahlungen wohl etwa 70% des gesamten Steueraufkommens. Dahinter folgt erst der Mittelstand, der dank vieler Steuersparmöglichkeiten eher weniger zum Steuerhaushalt beiträgt. Insbesondere Familien und Geringverdiener zahlen fast keine Steuern.

Über die Kopfpauschale würde erstmal jeder Bürger einen festen Beitrag einzahlen. Ist er dazu nicht in der Lage, kann er manuell oder automatisch Hilfe aus dem Steuersystem erhalten. Der Vorschlag war, einen Krankenversicherungs-Soli einzuführen, d.h. dass die Steuerbelastung generell etwas steigt (man könnte fast von einer Reichen-Steuer sprechen) und dadurch die Beiträge für Geringverdiener finanziert werden.

Derzeit zahlt ein Arbeiter mit 2 Kindern (3.000 Brutto) 237 EUR Krankenversicherung, während ein Reicher mit 2 Kindern (30.000 Brutto) aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze gerade mal 355 EUR einzahlt und trotzdem den gleichen Versicherungsschutz hat. Der Plan wäre, dass der Arbeiter beispielsweise 100 EUR Kopfprämie zahlt und für seine beiden Kinder eine halbe Kopfprämie. Dadurch hätte er eine monatliche Belastung von 200 EUR und würde sogar weniger zahlen als vorher. Der Reiche würde ebenfalls 200 EUR zahlen, allerdings zusätzlich auf seine vollen 30.000 EUR Einkommen die Steuern: Das wären bei z.B. einer 1% Steuerfinanzierung nochmal zusätzlich 300 EUR, die die "Reichen" zahlen müssen.

Das halte ich für sozial und ich denke, dass die Gutverdiener an einer Kopfprämie mit Sozialausgleich über das Steuersystem mehr zu bemängeln hätten, als die Wenigverdiener. Insofern: Stoppt die Polemik, rechnet nach und erkennt, dass die geplante Gesundheitsreform zumindest mal nicht asozial ist.

Dies ist Teil 3 meiner Serie zur Gesundheitsprämie. Teil 1 findet ihr hier: Die Kopfprämie - Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung?, Teil 2 findet ihr hier: Familienversicherung: Alternative Gesundheitsprämie

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Kommentare zum Thema

1. anon
Mit den 1% zahlt der Familienvater also 230 Euro und der "Reiche" 500 Euro. Das ist Aequivalent zu 7.6% beim Familienvater und laessigen 1.6% beim "Reichen". Ich halte das fuer genauso unfair wie die aktuelle Regelung. Sozial heisst das die Reichen die Aermeren stuetzen muessen, das ist dank Bemessungsgrenze schon jetzt nur begrenzt der Fall. Zu Zeiten meines Studiums hat der Krankenkassenbeitrag uebrigens laessige 29% meiner Einnahmen verschlungen. Was auch der Grund war warum ich 5 Jahre unversichert war.
(Geschrieben: 2010-02-25 23:00:29)
2. Dani
Hättest ja mehr arbeiten können während deines Studiums. Ich habe auch studiert und nebenbei gearbeitet und war die ganze Zeit Krankenversichert. Erst mal überlegen, bevor man solche Sätze von sich gibt.
(Geschrieben: 2010-03-11 01:41:35)
3. Patrick
@Anon: Ja, es ist immer noch nicht komplett gerecht, aber immerhin gerechter als bisher. Die Nebenkosten des Studiums muss man natürlich immer bedenken, daran sollte man natürlich vorher denken. Nicht versichert zu sein ist dabei die teuerste/riskanteste Lösung.
(Geschrieben: 2010-03-11 16:26:43)
4. Torsten
Bei der ganzen Diskussion geht es doch gar nicht wirklich darum, ob das System sozial gerechter ist oder nicht. Einzig und allein die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems soll geklärt werden. Und das mal wieder weitestgehend auf Basis der Pflichtversicherten. Warum schafft man nicht einfach die privaten Versicherungen ab und macht eine gesetzliche Grundversicherung zur Pflicht? Dann dreht man noch den Höchstbeitrag ordentlich hoch und kann damit sogar noch den Satz auf unter 7% senken. Das wird sich nur nie durchsetzen, weil dann die draufzahlen, die über die Einführung eines solchen Systems entscheiden oder durch finanzielle Zuwendungen darüber entscheiden lassen.
(Geschrieben: 2010-03-17 13:44:12)
5. anon
@Dani hab ich doch, 16 Stunden die Woche. Aber wenn man eigene Wohnung etc. braucht und alles selbst finanziert, weil die Eltern keinen Euro raus geben, dann ist das halt trotzdem knapp. Nicht versichert zu sein ist potentiell die teuerste Lösung, aber manchmal auch die einzig mögliche. Besonders wenn das Wohngeld in der Bürokratie stecken bleibt und man mit 8000 Euro Schulden aus dem Studium kommt.
(Geschrieben: 2010-03-22 13:13:03)
6. Patrick
@Anon: Ich ging mit mehr als 8.000 Schulden aus dem Studium, zahle heute noch ab. War meine freie Entscheidung und ich habe sie nicht bereut. Wenn die Eltern viel verdienen, aber die Kinder nicht unterstützen, finde ich das immer schade.
(Geschrieben: 2010-03-22 19:47:41)
7. anon
Meine Eltern verdienen nicht viel, und konnten mich daher gar nicht unterstützen. Eine Kopfpauschale muss daher meiner Meinung nach abgestuft sein, um sozial verträglich zu bleiben. Und dann kann man auch gleich beim aktuellen System ansetzen anstatt eine komplette Verwaltung neu aufzubauen.
(Geschrieben: 2010-03-23 11:54:07)
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