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Provisionsdeckelung in der Privaten Krankenversicherung

In Zukunft dürfen für die Vermittlung von Privaten Krankenversicherungen nur noch 9 Monatsbeiträge Provision gezahlt werden, außerdem haftet der Vermittler 5 Jahre für das vermittelte Geschäft.

Ein so wichtiges Thema wie die Neuregelung der Provisionen in der privaten Krankenversicherung wurde letzte Woche im Zuge der Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts einfach mitbeschlossen - scheinbar war diese Regelung kein eigenes Gesetz wert.

Deckelung der Provisionen

Faktisch taucht die Zahl von 9 Monatsbeiträge nicht im Gesetz auf, aber die Provision ist jetzt per Gesetz "begrenzt auf 3% der Beitragssumme über 25 Jahre". Das kann man wie folgt umrechnen:
  • 25 Jahre x 12 Monate x 3 / 100 = 9 Monatsbeiträge
Die Änderung bezieht sich nur auf die substitutive Krankenversicherung (also Krankenversicherungen, die den gesetzlichen Versicherungsschutz im ambulante und stationären Bereich vollständig ersetzen), für Zusatzversicherungen (z.B. Zahnzusatzversicherungen, Pflegetagegeld...) gibt es keine Einschränkungen! Zusammen mit sonstigen geldwerten Vorteilen dürfen in Zukunft max. 9,9 MB gezahlt werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind echte Orga-Zuschüsse, für die ein eigener Vertrag gemacht werden darf, der dann für die Provisionshöhe unberücksichtigt bleibt.

Erhöhung der Stornohaftung

Die Stornohaftungszeit wurde auf 5 Jahre erhöht, bei Kündigungen innerhalb dieser Zeit ist die Provision für die restliche Zeit vom Versicherer zurückzuverlangen. Dabei sind allerdings Kündigungen ausgenommen, auf die der Vermittler keinen Einfluss nehmen kann:
  • Wird ein privat Krankenversicherter wieder versicherungspflichtig (weil sich sein Berufsstatus ändert), kann er gemäß 205(2)VVG seine private Krankenversicherung kündigen.
  • Kann ein privat Krankenversicherter seine Beiträge nicht mehr zahlen, ruht der Vertrag gemäß 193(6) VVG

Inkrafttreten

Die Neuordnung des Versicherungsaufsichtsgesetzes tritt am 01.04.2011 in Kraft.

Kommentar

Gesetzliche Regulierungen sind nie gut, dennoch scheint in diesem konkreten Fall ein Anlass vorhanden zu sein. Die Frage ist: Stimmt es wirklich, dass Vermittler ausufernd hohe Provisionen erhalten haben? Mir selbst ist kein Fall bekannt, in dem ein einzelner kleiner Vermittler mehr als 10 MB erhalten hat, und der übergeordnete Vertrieb zusätzlich 8 MB erhalten hat - diese Beispiele scheinen dann doch eher BILD-Zeitungsniveau zu sein. Faktisch ist der übliche Satz: 8 MB für die kleinen Vermittler, +4 MB für die Vertriebe - dann ist man bei 12 MB. Dieser "Normalzustand" ist in Zukunft nicht mehr ganz erreichbar: Vertriebe werden in Zukunft stärker auf ORGA-Zuschüsse ausgerichtet sein, sprich: Sie werden den Versicherern Dienstleistungen (Angebotserstellung, Antragsprüfung und -bearbeitung, Bonitätsprüfung, Beratung) abnehmen, für die sie dann bezahlt werden. Bis zu 10 Prozent sind dabei problemlos machbar, darüber hinaus können ORGA-Zuschüsse gewährt werden, "wenn sie tatsächlich zu einer Ersparnis beim Versicherer führen" - wer dies kontrolliert sei mal dahingestellt.

Die Opposition hat sich in der Beratung für eine Begrenzung bis auf 6 Monatsbeiträge ausgesprochen, dies entspricht 2 Prozent der Beitragssumme. Hierzu sei gesagt: Rechnet man mal nach, dass eine ordnungsgemäße Beratung zwei Sitzungen a 4 Stunden erfordert und zusätzlich 4 Stunden für die Angebotserstellung (Anfrage bei mehreren Gesellschaften) hinzukommen, ist man bei 12 Stunden reiner Arbeitsleistung. Dazu rechne ich mal der Einfachheit halber die Kosten für die Aquise mit heute üblichen 150 EUR pro Datensatz, sowie weitere 100 EUR für sonstige Kosten (Büro, Dienstwagen, Angestellte, Material). Diese Kosten kann man je nach verkäuferischem Talent verdoppeln oder verdreifachen, da man die Provision nur im Erfolgsfall erhält - bedeutet also 24 Stunden Arbeitszeit, sowie 500 EUR Fixkosten. Bei einer durchschnittlichen Beitragshöhe von geschätzten 150 EUR (ohne gesetzlichem Zuschlag, Risikozuschlag, Pflegepflichtversicherung) erhält man nach Vorgabe der Opposition maximal 900 EUR. Zieht man davon die 500 EUR Fixkosten ab und teilt die verbleibenden 400 EUR durch die 24 Stunden Arbeitszeit erhält man 16,66 EUR Bruttolohn - davon zieht man dann Steuern und Sozialleistungen ab und ist nahe am Existenzminimum.
Hierbei sei gesagt, dass dies sehr stark erfolgsabhängig ist: Wird nur jeder dritte Interessent zum Kunde, hat man 36 Stunden Arbeitszeit und 750 EUR Fixkosten, bei 900 EUR Rohertrag.

Stichwort Honorarberatung - Für eine erfolgsunabhängige Beratung zur privaten Krankenversicherung würde ich (240 EUR Fixkosten + 12 Stunden Arbeitszeit a 30 EUR) ein Honorar von 600 EUR verlangen müssen, was einem Stundensatz von 50 EUR entspricht: Dieses Honorar müsste der Kunde also immer zahlen, auch wenn kein Vertrag zustande kommt. Mit den 30 EUR für einen ausgebildeten Kaufmann liege ich sicherlich nicht weit von der Wahrheit weg, Handwerksmeister verlangen wohl deutlich höhere Sätze.

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