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Gefühlte Inflation in Deutschland

Der Euro ist ein Teuro, dieses Motto hat sich iun den Köpfen der Deutschen festgesetzt. Obwohl dies nicht den Fakten entspricht, empfinden viele Deutsche das so - hierzu gibt es mehrere Erklärungsversuche.

Tatsächliche Inflation

Die Inflation war zu Zeiten der DM zwischen etwa 2,6%, hätten wir die DM behalten, wären heute (12 Jahre später) die Preise um 36% angestiegen.
Die Inflation des EURO liegt bei 1,29%, der Preisanstieg in den letzten 12 Jahren betrug also tatsächlich weniger als 17%. Zum Vergleich: China hat derzeit 5,4% Inflation, was einem Preisanstieg von 88% entspricht.

Gefühlte Inflation

Viele behaupten, dass die heutigen EURO-Preise den damaligen DM-Preisen entsprechen, das wäre ein Preisanstieg von 95% (Die Umrechnungsraten von DM in EURO war 1,95583) oder umgerechnet eine gefühlte Inflation von 5,7%. Interessanterweise hält sich dieses Gerücht übrigens schon seit einigen Jahren, so dass die gefühlte Inflation wahrscheinlich noch höher ist. Wie kann es zu so einem gewaltigen Unterschied zwischen tatsächlicher und gefühlter Inflation kommen.

Einige Erklärungsversuche:

1. Einzelne Waren werden stärker wahrgenommen

Brot, Butter, Fleisch, Benzin: Waren die täglich konsummiert wurden haben tatsächlich eine größere Steigerung erfahren als solche, die weniger regelmäßig konsummiert werden (oder nicht wahrgenommen werden: Mieten, Neuwagen).

Tatsächlich ist zu beobachten, dass im Jahr 2001 der Preisanstieg in den einzelnen Monaten fast doppelt so hoch war (zwischen 2,0 und 2,8%), wie in den Jahren davor und danach (heute nur noch 1,3%).

2. Rundungen

Hier haben viele Discounter die EURO-Umstellung genutzt, um Preise nach oben aufzurunden. So wurde wahrscheinlich aus der Butter für 99 Pfennig nach der Umstellung ein Preis von 59 cent, was einer spontanen Preiserhöhung von +16,5% entspricht. Da heutzutage die Preise von den Discoutern immer 10cent-weise erhöht werden, waren auch die nächsten Preiserhöhungen ähnlich hoch (von 59 auf 69 sind es wieder +17% usw. Ein Anstieg um 0,10 war früher also nur halb so teuer wie heute (genau genommen: 1/1,95582 mal so teuer).

Ein klassisches Beispiel zu 1. und 2. wäre das Bier in der Kneipe - wo früher 2 DM bis 2,50 DM zu zahlen waren, waren es nach der Umstellung 1,50 EUR, also auch hier zwischen 17 und 47 % Preisanstieg. Danach gab es noch einige weitere Erhöhungen, so dass das Bier heute zwischen 1,70 und 2 EUR kostet.

3. Relativ stabiles Einkommen

Die Löhne in Deutschland sind in manchen Brachen (die Branchen mit schwachen Gewerkschaften) in den vergangenen Jahren nicht allzu stark angestiegen, von daher wird jede Preiserhöhung (im Verhältnis zum Einkommen) höher wahrgenommen.

4. Gestiegene Nebenkosten

Bleiben wir bei dem oben genannten Beispiel für Bier: Für Bier gibt es natürlich Nebenkosten (z.B. Energiekosten beim Brauen oder Transportkosten) - insbesondere die gestiegenen Benzinpreise beim Transport könnten hier also zusätzlich einwirken.

5. Fallende Nachfrage

Da viele Produkte teurer geworden sind, werden sie auch weniger nachgefragt - beim Bier wäre das z.B. die rückläufigen Besuchszahlen in der Gastronomie. Viele Bürger steigen dann auf Selbstversorgung um - kaufen also z.B. ihr Bier beim Discounter und trinken zu Hause. Gut zu beobachten ist das bei den Rekordumsatzzahlen der Brauerei Oettinger. Um aber keine Verluste zu machen, muss die Gastronomie die sinkenden Absatzzahlen durch wieder höhere Preise ausgleichen.

Zusammenfassung

Ja, vieles ist teurer geworden - dies ist aber keine Schuld des Euros, denn die Währung ist stabil. Vielmehr sind es verschiedene Faktoren, die alle zusammen eine gefühlte Inflation bewirken, die zu Unzufriedenheit bei der Bevölerung führt. Wichtig ist, die Ursachen zu kennen und nicht die Schuld nur in der Währung zu suchen - denn der EURO ist derzeit einer der wenigen Einflüsse, die die Preise noch halbwegs unten halten. Mit der DM wäre die Inflation in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen und die Preiserhöhungen deutlicher wahrgenommen worden.

Hinweis: Mit der DM wäre der Preisanstieg wie oben geschrieben bei 36% gewesen, mit dem EURO waren es nur 17%. Die Differenz von beachtlichen 19% Preissteigerung in 12 Jahren kann ja nicht einfach von heute auf morgen wegfallen, nur weil wir eine andere Währung haben. Diese geringere Preiserhöhung wurde uns durch die Hintertür mitgebracht, auch wenn wir sie nicht messen können.

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