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EZB senkt Leitzins

Die Zentralbank senkt die Zinsen - ist das gut oder schlecht für uns. Ich habe dies mal für runtergerechnet und auch die Bundesbürger als Profiteure ermittelt, deshalb eine kurze Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile. Das vorweggenommene Fazit: Müsste der Bund heute genau so hohe Zinsen zahlen wie 1985 und immer noch einen ausgeglichenen Haushalt bewahren, müsste er die Steuern um 20% erhöhen!

Die EZB senkt die Zinsen - Brauchen wir jetzt alle weniger Zinsen zu zahlen?
Die Antwort auf diese Frage lautet NEIN und das ist auch das große Problem der Leitzins-Senkung. Die Banken können sich nun sehr günstig Geld von der Zentralbank leihen (nur noch 0,5 Prozent Zinssatz), was auch viele Banken ausnutzen werden. Deshalb werden die Banken weniger auf das Geld der Sparer angewiesen sein - das ist schlecht. Die Zinsen für Kapitalanlagen wie Tagesgeldkonten, Sparbücher und auch Versicherungen (Alle Sparten, aber insbesondere Lebens- und Krankenversicherungen sind betroffen) werden sinken. Für die deutschen Sparer heißt das: Die Zeiten, in denen 3 oder 4 Prozent auf Tagesgeldkonten gezahlt wurden sind längst vorbei. Die Zinsen für Tagesgeld liegen mit ca. 1,4 - 1,6 Prozent nur knapp über der Inflationsrate (1,2 Prozent) - sparen macht also in dieser Form wenig Sinn. Gleiches gilt für Sparbücher und ähnliche Anlageformen: Auch hier werden wir weniger Zinsen kriegen. Bei Girokonten gibt es mittlerweise sogar die Trendwende: Hier muss der Sparer mittlerweile Gebühren BEZAHLEN, wenn er Geld sparen will - ein Irrsinn!

Auswirkungen auf Versicherungen

Auch Versicherungen trifft dies, insbesondere Verträge die schon lange laufen: Früher garantierten Versicherer eine Verzinsung von 4 Prozent (staatlich vorgeschrieben) und erzielten aber tatsächlich Verzinsungen von 7-8 Prozent, die ebenfalls den Versicherten zu Gute kam. Heute schaffen Versicherer es kaum noch, die versprochenen 4 Prozent zu erzielen, von Überschüssen kann teilweise keine Rede sein. Anders bei neueren Verträgen: Hier liegt der Garantiezins deutlich niedriger (z.B. 1,75 Prozent aktuell), diese Zinssätze sind für Versicherer ohne Schwierigkeiten erzielbar und dadurch ergeben sich Chancen auf höhere Zinserträge, so dass in neueren Verträgen auch oftmals noch 4-6 Prozent Gesamtverzinsung erzielt werden können. Ich hatte deshalb schon hier im Blog angeregt, dass man sich überlegen muss, ob ein Tausch auch für die Versicherten nicht eventuell sinnvoll ist:
  • 4 Prozent garantiert, keine Überschüsse oder
  • 1,75 Prozent garantiert + 3 Prozent Überschüsse

Profiteure der Niedrigzinsen

Kommen wir zu der Frage: Für wen ist die Zinssenkung positiv?
  • Würden die Banken die niedrigeren Zinsen an ihre Kreditnehmer weitergeben, könnten diese von niedrigeren Zinsen (Dispo, Hypotheken, Privatkredite...) profitieren - dies tun sie aber nicht oder nur eingeschränkt. Profiteure sind also zuerst mal die Banken: Ihre Gewinnspanne wird höher, oder positiv ausgedrückt: Das Risiko, dass wie in der Vergangenheit Banken pleite gehen sinkt drastisch, und das ist auch erstmal gut so.
  • Auch die Großschuldner - hier in erster Linie die hoch verschuldeten Staaten wie die PIIGS, aber auch Deutschland und Frankreich - profitieren, denn für sie werden diese niedrigeren Zinssätze in der Regel weitergegeben. Trotz der deutschen Staatsverschuldung von 2 Bio Euro könnte es also sein, dass wir weniger Zinsen zahlen, als in den Vorjahren - dies habe ich mal untersucht:
Focus Money berichtete, dass Banken mittlerweile sogar Geld bei der Bundesregierung parken würden und dafür Zinsen bezahlen. Dies kam bislang noch nie vor - Der deutsche Staat zahlte Anfang 2012 zum Beispiel einen Zinssatz von -0,0122 Prozent für Staatsanleihen. Für die Anleger macht das dennoch Sinn: Sie erhalten nach Ablauf der Frist ihr Geld garantiert wieder zurück, gehen also in ihren Augen keinerlei Risiko ein und zahlen dafür eine kleine Gebühr.

Ermittlung und Entwicklung des Zinssatzes der BRD

Herauszufinden, wie hoch der Zinssatz der Bundesregpublik Deutschland ist, ist gar nicht so einfach, folgende Zahlen sollten aber brauchbar sein:
  • Der deutsche Staat (laut Angaben des Bund der Steuerzahler) ist mit 2,064 Bio Euro Schulden verschuldet, davon entfallen 1,289 Mrd auf den Bund.
  • Insgesamt zahlte der Bund Zinsen in Höhe von 35,5 Mrd Euro - was einen Zinssatz von 2,75% bedeutet - ich hoffe, das ist jetzt richtig gerechnet.
  • Laut Wikipedia sind es übrigens für 2012 32,4 Mrd Euro, was etwas weniger Zinsen wären, nämlich 2,51% - ich glaube, diese Zahl ist etwas genauer.
  • Setzt man diese Zahl im Verhältnis zu den Gesamtausgaben (311 Mrd), sieht man, dass etwa 10,5% unserer Bundesausgaben für Zinsen drauf gehen.
Betrachten wir dies nun unter der oben genannten Zinsentwicklung, sieht das ganze allerdings positiver aus, hier noch einmal aus Wikipedia:

JahrSchuldenZinsenZinssatz
196923,11,14,7
197554,82,74,9
1980120,07,15,9
1985204,014,97,3
1990306,317,55,7
1995658,325,43,9
2000774,839,15,0
2005903,337,44,1
20101.287,533,12,6
20121.28932,42,5

Zusammenfassung:

Müsste der Bund heute genau so hohe Zinsen zahlen wie 1985, wären das eine Katastrophe, denn 7,3% von 1.289 Mrd Euro sind 94,1 Mrd Euro - fast das dreifache! Deshalb profitieren auch die Bundesbürger (indirekt) von den niedrigen Zinsen. Geht man davon aus, dass wir - bei einem ausgeglichenen Haushalt mit 310 Mrd Ausgaben und 310 Mrd Einnahmen und plötzlicher Verdreifachung der Zinsen - zusätzliche 62,8 Mrd an Einnahmen generieren müssten, würde das einer Steuererhöhung von 20% entsprechen! Der derzeit historisch niedrige Zinssatz hilft also auch uns Bundesbürgern, ich habe diese Steuerbelastung mal auf die Umsatzsteuer draufgerechnet: Derzeit nimmt der Staat bei 19% Mehrwertsteuersatz ca. 190 Mrd an Umsatzsteuer ein. Müsste er gute 60 Mrd mehr einnehmen, müsste er die Mehrwertsteuer auf 25% anheben, was sämtliche Güter in Deutschland um 5% verteuern würde (Rechnung: 1 - (1,25/1,19) ~ 0,05).

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