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Google auf dem deutschen Versicherungsmarkt

Dass der milliardenschwere Großkonzern Google plant auf den Versicherungsmarkt vorzudringen ist nichts Neues. Die ersten Bestrebungen in diese Richtung sind bereits über ein Jahr bekannt, nun kommt wieder Bewegung in die Diskussion. Google könnte auf zwei Arten in den deutschen Versicherungsmarkt vordringen: Als Versicherungmakler (google compare) oder als Versicherer (google protect).

Der Markteinstieg von Google schwebt wie ein Damokles-Schwert über der deutschen Versicherungsbranche und aufgrund der Marktmacht im Internet - der Google eine herausragende Vertriebsmöglichkeit bietet - sind die Bedenken der Mitbewerber groß. Google könnte sowohl als Versicherungmakler mit der Marke GOOGLE COMPARE oder als echter Versicherer mit der Marke GOOGLE PROTECT auf den (zugegebenermaßen komplizierten und stark regulierten) deutschen Markt gehen. Beide Möglichkeiten sind denkbar, bieten für Google aber auch Probleme und Chancen und sollen hier analysiert werden:

1. Google als Versicherungsmakler:
GOOGLE COMPARE

Der Versicherungsbote berichtete im Januar davon, dass Google kurz vor der Markteinführung in den USA steht und damit sein bisheriges Angebot (das sich nur auf Großbritanien beschränkt) ausbaut. Dabei soll Google Compare sich zuerst auf den Markt der KFZ-Versicherungen beschränken. Die Vormachtstellung im Internet bietet Google hier hervorragende Möglichkeiten des Marktzugangs – denn statt bei einer Suche nach "KFZ-Versicherungen" auf Drittanbieter zu verweisen, könnte der Internetriese gleich selbst einen Vergleich anbieten und damit als Vermittler tätig werden. Hierzu scheint es, dass Google mit einigen Versicherern Kooperationen geschlossen hat, die diesen Marktzugang sich für teures Geld erkaufen möchten. Üblich sind in Deutschland laufende Provisionen zwischen 4% und 10% der Nettoprämie (ohne Versicherungssteuer) – im Falle von Google könnten hier sicherlich auch höhere Courtagen gezahlt werden, da mit entsprechend viel Geschäft zu rechnen ist. Derzeit hakt es wohl noch daran, dass Google für alle US-Bundesstaaten eine entsprechende Zulassung benötigt.

In Deutschland müsste sich Google Compare als Versicherungsmakler nach §34d GewO registrieren, um einen KFZ-Versicherungsvergleich anzubieten. Google müsste dann auch die deutschen Gesetze erfüllen, insbesondere den Sachkundenachweis und die Beratungs- und Dokumentationspflichten. Da der Sachkundenachweis für Kapitalgesellschaften in Deutschland sowieso von den Industrie- und Handelskammern nur lapidar geprüft wird, bleibt die Beratungs- und Dokumentationspflicht. Die Dokumentationspflicht z.B. über Google Drive wäre kein Problem und die Beratung an für sich kann auch durch Online-Formulare sichergestellt werden. Auch dies wird dem Technikgigant sicherlich keine Probleme bereiten. Eher problematisch wäre sicherlich der Verdienst, da die günstigsten Anbieter im Vergleich sehr geringe Provisionen zahlen – dazu müsste Google Kooperationen mit unzähligen Anbietern schließen. Gerade die Frage wie es mit Direktversicherern aussieht, wird spannend: Direktversicherer bieten vergleichsweise günstige Tarife an (deshalb darf ein Makler sie eigentlich nicht bei der Beratung weglassen) - zahlen aber in der Regel keine Provisionen. Dazu kommt noch, dass Google Einbußen bei Adwords zu erwarten hat, da es für die restlichen Makler weniger Sinn macht, bei Google Werbung zu schalten. Die Makler werden sich hier nach anderen Möglichkeiten des Marktzugangs umschauen müssen (Autohäuser, Affiliate-Netzwerke, Kundenbestand, Branding ->check24).

Alles in allem erwarte ich dieses Thema mit Spannung – es bleibt insbesondere abzuwarten, ob deutsche Kunden (die ja im positiven Sinne ganz spezielle Kunden sind) einem Suchmaschinenanbieter ihre KFZ-Versicherungen anvertrauen. Ich denke aber, dass Google in der Lage sein müsste, hier ein besonderes Angebot zu schaffen, z.B. mit günstigen Online-Prämien.

In Frankreich hat Google bereits zurückgerudert und seinen Vertrieb von KFZ-Versicherungen aufgrund von rechtlichen Problemen eingestellt. Ich gehe davon aus, dass die deutsche Bürokratie evtl. einen Markteinstieg von Google verhindern könnte. Andererseits könnte Google auch bereit sein, ein bestehendes System zu kaufen und für seine Zwecke zu nutzen.

2. Google als Versicherer:
GOOGLE PROTECT

Noch spannender als der Einstieg in den Vermittler-Markt ist der Einstieg in den Versicherer-Markt, hierüber berichtete bereits das Handelsblatt. Hier könnte Google ganz groß auftrumpfen - da er seine größten Stärken hier ausspielen könnte. Vorweg: Tritt Google einfach nur als weiterer Anbieter auf (indem sie z.B. einen Konkurrenten aufkaufen), wird sich der Konzern nicht durchsetzen, da die Marke hierfür wohl zu schwach ist und sich der Vertrieb schwierig gestalten könnte. Es ist gut möglich, dass der Maklermarkt sich weigert mit einem Versicherer Google zusammenzuarbeiten, um sich nicht Konkurrenz ins eigene Haus zu holen.

Spannend wird es, wenn Google es schafft, sich vom Markt abzusetzen. Dabei könnte Google auf sein wichtigstes Asset zurückgreifen: Informationen! Mal angenommen, Google bietet KFZ-Versicherungen extrem günstig an, verlangt dafür aber den Einbau einer kleinen Box ins Auto. Diese Box würde nicht viel tun, außer der Datenerfassung via GPS. Diese Daten würden dann über Bluetooth/WLAN/LTE ins Netz oder ans Android-Handy geschickt und der Konzern wüsste, wo und wie der Fahrer gefahren ist. Mit diesen Informationen (Wie lang ist die Wegstrecke? Hält sich der Fahrer an die Geschwindigkeitsvorschriften?) kann Google die Prämie individuell kalkulieren und das könnte dann für die betroffenen Fahrer vorteilhaft sein, da sie durch besonnene Fahrweise ihre Prämien selbst reduzieren könnten.

Spinnt man das weiter, könnte Google seine Box auch gleich mit dem Bordcomputer moderner Autos koppeln. In diesem Fall könnte die Box davor warnen, wenn man zu schnell fährt, auf die Einhaltung von Pausen hinweisen und auch den Weg zur nächsten (günstigen!) Tankstelle automatisch vorschlagen. Was auf den ersten Blick befremdlich und skuril erscheint, kann bei näherer Betrachtung für beide Seiten Sinn machen. Der Regensensor des Autos könnte Google mitteilen, wo in Deutschland es gerade regnet, der Bordcomputer liefert gleich noch die passende Temperatur dazu. Im Gegenzug weist die Google-Box auf eine angepasste Fahrweise wegen Regen oder Glätte hin. Denkt man dann noch eine Ecke weiter über das Thema Wartungsintervalle, Reifenwechsel, Ölwechsel ... nach, könnte sich dahinter ein Rundum-Sorglos-Paket bieten, das letztendlich dazu führt, dass Google extrem günstige Prämien anbieten kann: Weniger Unfälle durch angepasste Fahrweise und Zusatzverdienst durch Werbeeinnahmen (die oben angesprochenen Tankstellen und Werkstätten, Reifenhandel, Partnerwerkstätten) könnten die Beiträge kräftig nach unten drücken.

3. Zwischenfazit

Beide Möglichkeiten sind sehr gut vorstellbar und über kurz oder lang wird das kommen. Die Versicherer und Versicherungsmakler müssen sich darauf einstellen und dem Internetgigant mit ihren Stärken paroli bieten. Besonders spannend wird es übrigens, wenn Google es schafft, beide Ideen miteinander zu kombinieren – also quasi sowohl als Makler auftritt und einen Versicherungsvergleich anbieten, als auch als Versicherer der in diesem Vergleich auf der Spitzenposition steht. Auch Anna van Doorn von GutGuenstigVersichert sieht den Markteinstieg von Google in der Versicherungsbranche ähnlich!

4. Es bleibt die große Frage - Möchte man das überhaupt?

Hierzu gerne meine Meinung: Ich denke, dass wir uns im Eiltempo genau in diese Richtung bewegen und eigentlich schon kurz davor sind. Auch das iPhone sammelt unsere Bewegungsdaten, unser Browser zeigt uns Remarketing-Werbung an und Facebook empfiehlt Freundschaften zu Menschen die wir eventuell kennen. Wir sind quasi nur einen Katzensprung weit entfernt davon, die neuen Bordcomputer der Fahrzeuge benötigen mittlerweile echte Rechenleistung und sind in der Lage, all dies zu leisten. Deshalb von mir ein ganz klares: Ja, ich glaube wir möchten das, denn es vereinfacht in vielerlei Hinsicht nochmal unser Leben etwas und bietet tolle und spannende Zusatzfunktionen!

Bleibt auch abzuwarten, ob Google nicht abschließend mit eigenen Fahrzeugen um die Ecke kommt, die dann dieses Gedankenspiel abrunden und genau die oben beschriebenen Funktionen zu einem unschlagbaren Preis anbieten. Mal ganz platt ausgedrückt: Wer kann zu einem Fahrzeug mit AUDI-Komfort und -Leistung zu einem DACIA-Preis denn tatsächlich Nein sagen, auch wenn er dadurch komplett verdrahtet ist?

Wenn es dann noch ein kostengünstiges Handy (Nexus 5) dazu gibt, eine eingebaute Halterung fürs Tablet (Nexus 7) das gleichzeitig als Bordcomputer funtioniert (Kontaktverwaltung über Google, kostenloses Telefonieren über VoIP, Kalender-Funktionen) und Google irgendwann auch als Handyanbieter auftritt (z.B. kostenfreies WLAN über die Google-Auto-Box), bietet sich ein echt interessantes Gesamtpaket an.

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